Papierlos glücklich

Handwerksbetrieb setzt mit Digitalisierung Maßstäbe

Edewecht. Vor vier Jahren gab es ungewöhnliche Momente in der Fertigungshalle von CE Schneckenflügel in Edewecht zu beobachten. Da saß der Geschäftsführer des Öfteren auf einem Stuhl und sah seinen Mitarbeitern bei der Arbeit zu. Rolf Eiting verfolgte genau, was bei den einzelnen Abläufen passierte. „Bevor man mit der Digitalisierung anfängt, muss man die Prozesse in Ordnung haben“, lautet seine Devise. Die Beschäftigten kannten seine Ziele und zogen mit.

Heute läuft bei CE Schneckenflügel niemand den ganzen Tag mit Zetteln in der Hand durch die Halle. Die Firma ist papierlos glücklich. Zwölf Mitarbeiter stellen Schneckenflügel her, die einen Durchmesser von 30 Millimetern bis zu 2,40 Meter haben. Bald sollen auch drei Meter Durchmesser möglich sein – für große Erdbohrgeräte. Die Produkte aus Edewecht finden unter anderem Absatz in der Bau-, Pharma- und Lebensmittelindustrie. Je nach Einsatzgebiet sind Förderschnecken oder Mischmaschinen mit unterschiedlich gearbeiteten Schneckenflügeln ausgestattet.

„Wir sind jetzt auf dem Stand von Industrie 3.0“, erklärt Eiting. „Nun befinden wir uns auf dem Weg, dass unsere Maschinen miteinander kommunizieren. Wenn es soweit ist, dann sind wir bei 4.0.“ Das handwerkliche Know-how sei immer noch das A & O für den betrieblichen Erfolg. Dem Chef geht es darum, die sinnvollste IT-Architektur zu haben, um Zeit zu sparen. „Wer in unserem Bereich konkurrenzfähig sein will, muss innerhalb einer Woche liefern können.“

Vom Stand der Digitalisierung bei CE Schneckenflügel haben sich im Oktober Vertreter der Hansa Polytechnik GmbH aus Moormerland in Edewecht informiert. Das Treffen wurde über die Handwerkskammern für Ostfriesland und Oldenburg organisiert. Im Netzwerk der Beauftragten für Innovation und Technologie (BIT)* suchte Kerstin Muggeridge (Aurich) einen exemplarischen Betrieb für Hansa Polytechnik. Ihr Kollege Kay Lutz Pakula (Oldenburg) betreut in seinem Gebiet seit anderthalb Jahren CE Schneckenflügel– so kam die Verbindung zustande.

„Das ist gelebter Wissenstransfer im B2B-Bereich“, lobten die Kammerpräsidenten Albert Lienemann (Aurich) und Eckhard Stein (Oldenburg) den Austausch. Kay Lutz Pakula ergänzte: „Bei CE Schneckenflügel sind die Prozesse am eigenen Bedarf entwickelt. Das Unternehmen hat bereits mit Hilfe einer so genannten Niedrigschwelligen Innovationsförderung des Landes Niedersachsen eine analoge Presse smart gemacht. Die Einbindung von Maschinendaten in das ERP-System sorgt für eine Verkürzung der Rüstzeiten und verbessert Kalkulationen.“

Die ostfriesische Delegation zeigte sich beeindruckt von der Struktur in der Fertigung. Stahl und Blech werden von acht Pressen und einem Plasmaschneider in die benötigte Form gebracht. Die Mitarbeiter holen sich beispielsweise ihre Aufträge an den Fertigungsbildschirmen und arbeiten sie dann so ab, wie sie es für effizient halten. Das selbsterklärende System sorgt insgesamt für einen schnelleren Durchlauf der Aufträge und damit für zufriedene Kunden.

Zuvor hatte Eiting den Aufbau seiner IT-Architektur erklärt. Im Zentrum steht ein ERP-System, das mit allen anderen Bereichen wie Buchführung, Kundendatenbank, Lagerwirtschaft, Maschinensteuerung und Betriebsdatenerfassung verbunden ist. „Zurzeit arbeiten wir am Versand. Wenn wir die Daten direkt zur Spedition kriegen, sparen wir uns wieder einen Arbeitsgang“, sagt der Geschäftsführer. Darüber hinaus plant er Veränderungen im Einkauf und in der strategischen Preisbildung. „Ich wusste nicht, wo uns die Digitalisierung hinführt“, lacht Rolf Eiting. „Aber es ist der einzig richtige Weg.“

Zeitnah soll der Technologietransfer in Ostfriesland wiederholt werden. Die Firmen und BITs werden den offenen Umgang fortsetzen, damit alle von den jeweiligen Maßnahmen lernen und profitieren.

* Gefördert durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages

Homepage des Unternehmens: www.schneckenfluegel.de

Rolf Eiting (Mitte) digitalisiert seine Firma. Unterstützung bekommt er von Kay Lutz Pakula. Der Technologie-Beauftragte der Handwerkskammer Oldenburg schaute mit seiner Auricher Kollegin Kerstin Muggeridge vorbei.
© Torsten Heidemann / Handwerkskammer

Dipl. Wirtsch.-Ing. Kay Lutz Pakula
Beauftragter für Innovation und Technologie

Telefon 0441 232-214
pakula@hwk-oldenburg.de

Analoge Säge wird smart

Dirk Leenderts steht in der Werkstatt. Der Geschäftsführer der Westersteder Hedemann Technik GmbH blickt auf viel Tradition und gleichzeitig sieht er jede Menge Zukunft. Der zertifizierte Schweißfachbetrieb ist seit über 125 Jahren in der Agrarwirtschaft tätig. Die Firma beliefert Kunden aus der Landwirtschaft und der Lebensmittel- und Tierfutterindustrie. Die Bandsäge, auf die Leenderts zusteuert, ist knapp 25 Jahre alt. Sie dient dem Zuschnitt von Bauteilen im Rahmen der Fertigung. Das Problem: Die Maschine besitzt keinerlei digitale Schnittstellen zur Einbindung in die Softwarelandschaft des Unternehmens. „Ein Neukauf würde eine Ausgabe von 9500 Euro bedeuten“, sagt der Chef von 44 Mitarbeitern. „Als ich von Retrofitting gelesen habe, bin ich hellhörig geworden.“

Kay Lutz Pakula, Beauftragter für Innovation und Technologie (BIT)* bei der Handwerkskammer Oldenburg, erklärt: „Retrofitting bedeutet alte Maschinen nachzurüsten, das heißt speziell in unserem Fall: sie werden smart gemacht. Mithilfe von beispielsweise Sensoren können so wie bei neuen Maschinen Daten erfasst werden, die für Kosten- oder Verfügbarkeitsbetrachtungen heutzutage erforderlich sind.“ Pakula organisierte im Februar mit dem Mittelstandszentrum einen Workshop zum Thema. Dabei ließ sich Dirk Leenderts inspirieren.

Bei Hedemann in Westerstede sieht die Lage nämlich wie folgt aus: Die Metallbearbeitung erfolgt über eine CNC-Plasmaschneidanlage, eine CNC-Abkantpresse sowie über Bandsägen für den Profilzuschnitt. Zur Steigerung der Transparenz in der Produktion möchte das Unternehmen die Chancen der Digitalisierung nutzen. Die hierzu erforderlichen Rückmeldedaten stehen jedoch aktuell nicht zur Verfügung, sodass die Verfügbarkeit der Maschine nur mit einem hohen manuellen Aufwand erfasst werden kann.

Dirk Leenderts (li.) mit Besuch (weiter v. li.): Kay Lutz Pakula (Handwerkskammer), Dr. Michael Rehe (Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum Hannover) und Tobias Hein (studentische Hilfskraft im Projekt).
© Hedemann

Sensorkonzept für die Datenerfassung

Der Seminarleiter des Workshops war Dr. Michael Rehe. Der Geschäftsführer vom Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum Hannover schlug der Firma Hedemann daraufhin ein Leuchtturmprojekt in der Produktion vor. Zielsetzung: Die Verfügbarkeit der Bandsäge in Echtzeit zu berechnen und über ein Endgerät zu visualisieren. Die Kosten für die Sensorik zahlt der Betrieb, der Rest wird über das Kompetenzzentrum finanziert.

„Daten aus der Produktion sind die Grundlage zur Steigerung der Effizienz und Wirtschaftlichkeit“, sagt Rehe. Die Landmaschinenmechaniker und Metallbauer der Firma Hedemann können sich diese Daten demnächst zunutze machen. Michael Rehe erklärt: „Basierend auf den Anforderungen der Firma Hedemann hat das Kompetenzzentrum Hannover ein Sensorkonzept für die Datenerfassung erstellt und prototypisch umgesetzt.

Auf dieser Grundlage erfolgt die Ermittlung der Betriebszustände, die über eine Anwenderoberfläche dargestellt werden. Mittelfristig sollen die Mitarbeiter das System eigenständig weiterentwickeln.“ Daher erfolgt die Programmierung dieser Anwendung mittels LowCode. „Sie kann mit geringem Schulungsaufwand erlernt werden“, blickt Dirk Leenderts voraus. Zurzeit wird die Sensorik nach ersten Tests feinjustiert.

Geschäftsführer Leenderts freut sich auf den Einsatz und ist begeistert vom Prinzip „Retrofitting“. Er sieht ganz viel Potenzial für zahlreiche Betriebe. In sein Unternehmen passe „Retrofitting“ auf jeden Fall - zwischen den Blicken auf die Tradition einerseits, und denjenigen in die Zukunft andererseits.

Mehr zum Unternehmen: hedemann-technik.de

* Gefördert durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages

 

Funkelnde Erinnerung

Diamantbestattungen gehören bei "Sternzeit Bestattungen" zum Beratungsangebot.

Beim Wilhelmshavener Betrieb Sternzeit Bestattungen geben die Kunden überwiegend Urnenbeisetzungen in Auftrag. „Auch wenn Feuerbestattungen rund 90 Prozent ausmachen, so ist es doch wichtig für uns, die diversen Möglichkeiten aufzuzeigen und alle Wünsche bedienen zu können“, sagt Geschäftsführer Stefan Marxfeld. „Ob auf dem Friedhof, zur See oder im Wald – Flexibilität gehört genauso wie ungeteilte Aufmerksamkeit zum Anforderungsprofil eines Bestatters.“

Das Besondere, mitunter auch Luxuriöse, gehört ebenfalls zum Portfolio. Aschemedaillons, Sternspuren, Herzlicht oder Diamantbestattungen heißen dabei die Begriffe. Bestatterin Gesche Marxfeld ist seit 2015 Diplom-Diamantberaterin. „Wir arbeiten mit einer Schweizer Firma zusammen, die innerhalb von zirka acht Monaten aus 500 Gramm der Asche einen synthetischen Diamanten macht“, erklärt sie.

Gesche Marxfeld, die Auszubildende Madlen Hinzmann und Stefan Marxfeld arbeiten nach dem Credo „Den Toten zur Ehre - den Lebenden zur Hilfe“.
© Handwerkskammer Oldenburg / Heidemann

Der Hersteller beschreibt das Verfahren so: „Der Mensch besteht zu Lebzeiten aus 28 Prozent Kohlenstoff. Wir extrahieren den verbliebenen Kohlenstoff, welchen wir dann zuerst in Graphit umwandeln und später zu einem Diamanten transformieren. Dazu müssen wir den extremen Druck und die hohen Temperaturen simulieren, wie sie auch bei der natürlichen Entstehung im Inneren der Erde vorherrschen.“ Die längste und unberechenbare Phase wird „Wachstum“ genannt.

Das Ergebnis: Blaue, synthetische Diamanten. Bei den funkelnden Erinnerungen macht die Größe den Preis aus. Vom mittleren vierstelligen Betrag geht es auch in den fünfstelligen Bereich. Der Durchmesser liegt in der Regel zwischen 4,3 und 6,4 Millimetern. Gesche Marxfeld kennt die verschiedenen Schliffarten. Sie berät zu Formen, die „Brillant“, „Smaragd“, „Princess“ oder „Herz“ genannt werden. Eine Handvoll Kunden haben sich bei ihr bereits für eine Diamantbestattung entschieden.

Der Durchmesser liegt in der Regel zwischen 4,3 und 6,4 Millimetern.
© Handwerkskammer Oldenburg / Heidemann

„Ein Erinnerungsdiamant ist über Generationen hinweg unvergänglich“, nennt Gesche Marxfeld ein wichtiges Kriterium. Die übrige Kremationsasche, rund zwei Kilogramm an Gewicht, wird beispielsweise in einem Urnengrab beigesetzt. Der fertige Erinnerungsdiamant kann vom Gold- und Silberschmied in Ketten oder auf Ringen eingesetzt werden.

Das Interesse an Diamantberatung ist auch bei der Auszubildenden von Sternzeit Bestattungen, Madlen Hinzmann, groß. Die angehende Kauffrau für Büromanagement möchte auch das Diplom der Schweizer Firma ablegen. Das Ehepaar Marxfeld freut sich darauf – genau wie auf den nächsten Auszubildenden. „Sechs Auszubildende in 15 Jahren, das ist für ein kleines Bestattungsunternehmen sehr gut“, zeigt sich Stefan Marxfeld zufrieden.

Lange Leitung? Schnelle Diagnose!

Neue Produkte müssen nicht immer aus den Forschungsabteilungen großer Konzerne kommen. Littwin Systemtechnik zeigt, wie Innovationen auch für das Handwerk zum Wachstumsmotor werden: mit Kundennähe, Tempo und guter Planung.

Der Artkel ist in "DIE WIRTSCHAFT" - ein Produkt der Nordwest-Zeitung - erschienen.
Den vollen Artikel lesen Sie hier:

Gartenhaus 4.0

Die Tischlerei Ahlers hat eine Manufaktur für Gartenhäuser etabliert. Jetzt steigt die Auftragsmenge. In diesem Zuge hilft die Innovationsförderung Niedersachsen, eine für das Handwerk neuartige Prozessorganisation zu entwickeln.

Am Anfang stand ein Gartenhaus. Gebaut von Friedrich Ahlers. Fotografiert und auf der Firmenhomepage der Oldenburger Zimmerei und Tischlerei veröffentlicht. Das sich über erste Interessenten bis heute entwickelt hat, ist erstaunlich: Sein Sohn Oliver Ahlers, 36 Jahre alt und vor zweieinhalb Jahren als Prokurist in das Familienunternehmen eingestiegen, hat den Bereich „Gartenhaus“ vom Kerngeschäft mit Fenstern, Türen und Wintergärten gelöst. Für die Gartenhaus-Manufaktur gibt es eine eigene Internetseite.
„Die Kunden haben die Möglichkeit, sich anhand diverser Grundmodule per Mausklick ihr eigenes Gartenhaus zusammenzustellen“, erklärt der promovierte Betriebswirt.

Der Konfigurator ist ein zentrales Element, aber irgendwie auch nur ein Zwischenschritt beim fortlaufenden Prozess, das Unternehmen zu digitalisieren. "Im Handwerk wird ja gerade sehr viel von Digitalisierung gesprochen. Für mich bedeutet es zum einen, dem Kunden einen Mehrwert zu verschaffen. Zum anderen denke ich nach innen, an die Wertschöpfung im Unternehmen. Wenn ich Prozesse habe, die offline funktionieren, dann kann ich sie online strukturieren.“

Konfiguriert und gebaut: Vor dem Gartenhaus „Naturfreund“ stehen Kay Lutz Pakula (HWK-Innovationsberater), Geschäftsführer Oliver Ahlers und die Mitarbeiter Heinz Hansen und Jan Pankratov (v.l.)
Handwerkskammer Oldenburg

Oliver Ahlers denkt dabei häufig an das Bestellwesen. Der Grund ist einleuchtend: Die Nachfrage für die qualitativ hochwertigen Fertighäuser steigt. In diesem Zuge hat ein Teil der 35 Mitarbeiter vor allem im Frühjahr alle Hände voll zu tun. Anfragen kommen aus ganz Deutschland, sowohl von privat als auch aus dem öffentlichen Sektor und von Bauträgern. Da würde vieles einfacher gehen, wenn Zeit beim Materialeinkauf eingespart wird. „Die Aufträge sind organisatorisch eine große Herausforderung, weil wir viele verschiedene Materialien beschaffen müssen“, sagt Ahlers. Nur die Unterkonstruktion ist immer gleich strukturiert. Ansonsten gibt es viele Unterschiede. Die augenfälligsten: Holzarten und HPL-Fassadenplatten. Aber auch für die Dächer oder selbst
bei den später nicht sichtbaren Schrauben gilt: Die Beschaffung stellt einen hohen Aufwand dar.

An diesem Punkt hat Oliver Ahlers den Beauftragten für Innovation und Technologie bei der Handwerkskammer, Kay Lutz Pakula, eingeschaltet. Das Ergebnis der Beratungen: Ahlers stellte einen Antrag auf Innovationsförderung und bekam die Bewilligung. "Oliver Ahlers macht es richtig“, sagt Pakula. „Er hat eine Vision, spiegelt diese in Beratungen, analysiert die Prozesse, glättete diese und digitalisiert.“ Klingt einfach, ist es aber nicht. Denn schließlich stemmt die Mannschaft dieses Projekt im laufenden Betrieb. „Darum nutzt Ahlers die Förderung. So ist das Projekt trotz der Personalkosten zu finanzieren“,
erklärt Innovationsberater Pakula.

Ziel ist, dass eine Bestellung des Kunden automatisch die komplette Reihe an Bestellungen bei den Lieferanten auslöst und Lagermaterial abruft. Dazu müssen alle technischen Zeichnungen, alle Maße und alle Stückzahlen im Konfigurator hinterlegt sein. Ein Projekt, für das Tischlermeister Denis Engelmann im Unternehmen verantwortlich ist.

Parallel zur laufenden Innovationsförderung treibt Ahlers das Marketing voran: Relaunch der Website und Auftritt bei der Internationalen Handwerksmesse in München (7. bis 13. März) heißen die aktuellen Maßnahmen. „Wir werden unser Haus „Drei-D“ einem breiten Publikum präsentieren. In München haben wir bereits jetzt schon einige Kunden. Außerdem versuche ich dort, Partnerfirmen für den Aufbau beim Kunden in Süddeutschland zu gewinnen.“ Das Standbein „Gartenhäuser“ hat innerbetrieblich an Gewicht gewonnen. Die Modelle werden laufend weiterentwickelt. „Zum Beispiel sind in Zukunft noch mehr Lifestyle-Elemente geplant“, gibt Oliver Ahlers einen Ausblick. Vorboten gibt es bereits: Im „Park der Gärten“ in Bad Zwischenahn – mit Außenküche und abgetrenntem Bürobereich - steht beispielsweise ein sehr edles Exemplar. 

Roboter übernimmt Eiersuche

Die Belegschaft der HoBohTec GmbH aus Garrel hat in einem geförderten Projekt getüftelt und optimiert. Bald geht „EiSam“ in den Dauerbetrieb beim Kunden.

Bloß nicht lange herumeiern: Mit diesem „Auftrag“ hat die Firma Hobohtec Energietechnik GmbH aus Garrel einen Roboter entwickelt, der in großen Ställen die Nester der Putenelterntiere nach Eiern absuchen kann. Profitiert hat das Unternehmen dabei von der Innovationsförderung des Landes und der Beratung durch die Handwerkskammer.
Das Ergebnis: Ein Eiersuchroboter namens „EiSam“, wobei der zweite Wortteil für „sammeln“ steht. Das System besteht unter anderem aus Schienentechnik mit berührungsloser Energieübertragungübertragung, einer Transporteinheit, einer Kamera und einem Greifer. „Wir sind soweit, dass der Prototyp verlässlich arbeitet. Nach ersten erfolgreichen Praxistests nehmen wir nun noch einige technische Änderungen vor“, sagt Geschäftsführer Hans-Jürgen Böhmann.
Der 32-jährige Elektrotechnikmeister hat im Februar 2010 die Hobohtec GmbH gegründet. Zu Beginn galt das Hauptaugenmerk den Photovoltaikanlagen. Relativ schnell entwickelte sich der Zweig „Roboter- und Automatisierungstechnik“, der mittlerweile rund ein Drittel des Umsatzes ausmacht. Im Jahr 2013 kam der Kundenwunsch „Eier automatisiert holen“ auf den Plan – und somit die Idee, daraus ein Innovationsvorhaben zu projektieren.  

© HoBohTec

Zeigt seine Entwicklung: Hans-Jürgen Böhmann, Geschäftsführer der Firma HoBohTec.

  „Die Entwicklung des Eiersuchroboters ist ein sehr gutes Beispiel, dass es auch Betrieben mit einer Größe von zwölf Mitarbeitern und drei Auszubildenden gelingen kann, Innovationsvorhaben umzusetzen“, sagt Dr. Henning Müller. Er hat das Projekt als Beauftragter für Technologie und Innovation für die Handwerkskammer begleitet. Spannende Schritte waren dabei die Energiezuführung, das Herausschieben der Pute aus dem Nest, die Lokalisierung des Eis, die Ausrichtung des Eis auf den Brutmagazinen und die Verzahnung aller Prozesse, um einen zügigen Ablauf zu gewährleisten. Besondere Berücksichtigung haben bei der Entwicklung Tierwohlaspekte gefunden. Unter Einbeziehung von Fachleuten wurden alle Abläufe überprüft und optimiert.
Hans-Jürgen Böhmann hat im Zuge der Innovationsförderung einen Entwicklungskonstrukteur eingestellt. Die erste verkaufte Einheit wird im Juni beim Kunden in Dauerbetrieb gehen. Für seine Firma sieht er bei dem sehr speziellen Projekt dennoch einen generellen Mehrwert. „Der Erkenntnisgewinn kommt uns bei anderen Kundenwünschen zu Gute“, ist sich Böhmann sicher.    

Innovationen öffnen Türen

Über ein kleines Innovationsvorhaben ist Andre Kessen Partner in einem vom Bund geförderten Projekt geworden.  

Wie kommt ein Maschinenbauer auf die Idee, sich mit einer Redox-Flow-Batterie zu beschäftigen? Andre Kessen, Geschäftsführer von Kessen Maschinenbau aus Essen (Oldb.), schmunzelt bei dieser Frage. „Ich war 2010 mit einem Bekannten zusammen auf der Hannover Messe. Da ich mich gerade mit dem Thema Energiespeichertechnologie beschäftigte, interessierte ich mich für die Redox-Flow-Batterie auf dem Stand des Fraunhofer Instituts“, erinnert sich Kessen. Dort wurde ihm geschildert, dass die Flüssigkeit in der Batterie, die die Energie speichern und abgeben soll, aus der Ummantelung austrete und sie bisher noch keine Lösung für das Problem gefunden hätten. „Da dachte ich mir: Von der chemischen Seite habe ich keine Ahnung, aber mit Dichtigkeit kenne ich mich als Maschinenbauer aus“, lacht Kessen. Dank der Unterstützung von Fördermitteln aus dem Innovationsförderprogramm Handwerk konnte er das Projekt in Angriff nehmen.

Auch kleine Unternehmen können innovativ sein

Dr. Henning Müller, Beauftragter für Innovation und Technologie der Handwerkskammer, betreut das Projekt seit Anfang 2013. „Es ist erstaunlich, welche Entwicklung das Unternehmen in dieser kurzen Zeit durchgemacht hat“, berichtet Müller. Durch das Innovationsprojekt habe Kessen viel über Projektmanagement gelernt und konnte so sein eigentliches Standbein – die Agrar- und Lebensmitteltechnik - weiter ausbauen. Auch die Teamstärke ist von drei auf fünf Mitarbeiter angestiegen.

© Handwerkskammer Oldenburg

Neue Wege gehen: Andre Kessen (r.) stellt (v. l.) Michael Koch, Manfred Kurmann, Heiko Henke und Henning Müller seine Entwicklung an der Redox-Flow Batterie vor.

Durch das Wissen, das sich Kessen in der Batterietechnik angeeignet hat, ist er jetzt Partner in einem Forschungs- und Entwicklungsprojekt, das vom Bund gefördert wird. Weitere Partner sind hier u.a. Firma Eisenhuth GmbH & Co. KG aus Osterode, die RWTH Aachen und das Leibniz-Institut für Polymerforschung in Dresden. „Das ist sehr spannend für uns“, sagt Kessen. „Wir sind natürlich stolz, dass wir mit so renommierten Partnern zusammenarbeiten dürfen.“
Müller sieht dies als gutes Beispiel dafür, dass auch kleine Unternehmen innovativ sein können und sich nicht davor scheuen sollten, ihre Ideen umzusetzen. „Die Handwerker sollten die Hightech-Branche nicht den Großunternehmen überlassen. Gute Ideen können die Türen zu angesehenen Forschungsinstituten öffnen“, ermutigt Müller.

Den 3D-Drucker für sich entdeckt. 

Bei einem Besuch im Unternehmen machten sich HWK-Präsident Manfred Kurmann, Hauptgeschäftsführer Heiko Henke und Michael Koch, Hauptgeschäftsführer der Landesvertretung der Handwerkskammern Niedersachsen und Vorsitzender des Innovationsnetzwerkes Niedersachsen, ein Bild vom Unternehmen Kessen Maschinenbau und der Innovation. Sie zeigten sich sehr beeindruckt von dem Projekt und wünschten ihm für seine weiteren Vorhaben viel Erfolg. Kessen, der an dem „Batterie-Problem“ weiterarbeitet und inzwischen die Technik des 3D-Drucks für Versuchszwecke verwendet, ist zuversichtlich, dass er mit seiner Idee auf dem richtigen Weg ist.