Nietiedts buntes Azubiprojekt

Mit einem außergewöhnlichen Azubi-Projekt holte sich die Wilhelmshavener Nietiedt Gruppe den Vizemeister-Titel für den Preis „Maler des Jahres 2021“.

Alljährlich lobt die Malerfachzeitschrift „Mappe“ den Branchenpreis „Maler des Jahres“ aus. In vier Kategorien werden herausragende Innovationen, Optimierungen und Entwicklungen in unternehmerischer und gestalterisch-technischer Hinsicht ausgezeichnet, die Impulse für neue Lösungsansätze in der Branche setzen. In der Kategorie „Mitarbeiter gewinnen und fördern“ sind unter anderem innovative und kreative Maßnahmen zur Nachwuchsgewinnung und Mitarbeiterbindung sowie Förderprogramme für Auszubildende gefragt. „Und hier konnten wir mit unserem Projekt „Nietiedts buntes Azubi-Marketing“ erfolgreich punkten“, freut sich Martina Krause, Personalleiterin bei Nietiedt.

Die Idee zu dem Projekt entstand quasi im Rahmen der „Nachbarschaftshilfe“. Der Mietvertrag für die Räumlichkeiten des spanischen Kulturzentrums „Centro Cultural Hispanico“ lief aus und für den Umzug und die Renovierung neuer Räumlichkeiten fehlte das Geld. Aus der Not heraus startete der Verein einen Aufruf an örtliche Handwerksbetriebe mit der Bitte um Unterstützung. „Für uns war sofort klar, da helfen wir“, so Christian Sommer, Spartenleiter Maler und Beton. „Daraus entwickelte sich dann die Idee zu dem Ausbildungsprojekt, in dem wir eine Lehrlingsbaustelle für die Maler- und Bodenbelagsarbeiten vor Ort einrichteten.“

Unter meisterlicher Anleitung erhielten Nietiedts Auszubildende Praxisunterricht vom Feinsten und das Kulturzentrum frisch renovierte Räumlichkeiten mit strapazierfähigen Bodenbelägen und attraktiven Wandgestaltungen, bei denen auch Wisch- und Spachteltechniken nicht fehlten. „Unsere Leistungen haben wir dem Verein gesponsert. Hier ging es nicht um kommerziellen Nutzen, sondern darum, zu helfen und unseren Auszubildenden zu zeigen, dass auch soziales Engagement das Handwerk auszeichnet“, zeigt sich Firmenchef Tom Nietiedt zufrieden mit dem Ergebnis.

Homepage: www.nietiedt.com
Infos zum Branchenpreis "Maler des Jahres"

 

Was die Lehrlinge sonst, wie hier zu sehen, in der "Nietiedt-Azubi-Werkstatt" lernen, konnten Sie diesmal direkt auf der Lernbaustelle in die Praxis umsetzen.
© Nietiedt

Starker Wille doppelt belohnt

Sarah Block schafft nach einem zweiwöchigen Koma und vielen kleinen Schritten die Gesellenprüfung zur Friseurin. Ihr Ausbildungsbetrieb Arto Team erhält eine Auszeichnung für die herausragende Unterstützung.

Ich will – so lautet das Versprechen, das neue Lehrlinge bei Arto Team den Geschäftsführern geben. So war es auch bei Sarah Block, als sie 2012 mit ihrer Ausbildung zur Friseurin begann. Niemand ahnte damals, was ihr dann im dritten Lehrjahr widerfahren würde. Sie hatte einen schweren Autounfall mit gravierenden Folgen. Zwei Wochen Koma, ein Jahr Klinikaufenthalt, Reha und die Prognose, dauerhaft geistige und körperliche Beeinträchtigungen zu behalten.

Trotz dieser Umstände hielt Sarah Block an ihrem Wunsch fest. „Ich will nicht in eine Behindertenwerkstatt, ich will Friseurin werden“, motivierte sie sich und ihr Umfeld. Auch wenn es am Anfang aussichtslos aussah: Das Arto Team (23 Salons, 200 Beschäftigte, Zentrale in Wardenburg) stellte alle erforderlichen Weichen. „Sarah wurde stundenweise wieder in den Betrieb eingeführt. Es folgten Übungsabende. Auch von der Lehrerin der BBS Ammerland, Johanna Klees, bekam sie große Unterstützung. Hilfe kam ebenso vom Gemeinnütziges Zentrum zur Rehabilitation und Integration Zentegra und von den Gemeinnützigen Werkstätten Oldenburg“, berichtet Svenja Heller aus der Geschäftsführung.

„All das wurde koordiniert, insbesondere von der Ausbilderin und Salonleitung in Bad Zwischenahn, Petra Brinker“, lobte Handwerkskammer-Hauptgeschäftsführer Heiko Henke bei der Verleihung von PIA, dem Preis für innovative Ausbildung. Die Auszeichnung vergibt die Nordwest-Zeitung seit über zehn Jahren. Es können sich alle Ausbildungsbetriebe bewerben, die mehr tun als das Übliche. In der Jury sind neben der Verlagsleitung die Agentur für Arbeit, die IHK, die Landwirtschaftskammer und die Handwerkskammer vertreten. NWZ-Chef Harold Grönke übertrug die Ehre der Laudatio an Heiko Henke.

„Die Hauptrolle spielte natürlich immer Sarah Block selbst. Mit Durchsetzungsfähigkeit, Fleiß und hoher Motivation schaffte sie letztendlich das, woran viele einst nicht zu träumen gewagt hätten. Sie ist nun ausgebildete Friseurin und hat vom Arto Team eine unbefristete Gesellenstelle erhalten“, berichtete Henke vom Happy End. Ihr eiserner Wille wurde also doppelt belohnt: mit dem Arbeitsplatz und mit dem PIA-Preis. Und weiter sagte der Kammer-Chef: „Dieses nachahmenswerte Beispiel von der Arto Team GmbH steht dabei auch für viele andere mittelständische Betriebe, in denen die Mitarbeiter eher Familienmitglieder als Arbeitnehmer sind. Wir brauchen alle Menschen vom Schlage einer Sarah Block, die sagen ‚Ich will‘ – und dann ihre Ziele verfolgen.“

Henke betonte: „Wir brauchen Unterstützer und Betriebe, die zu ihren Mitarbeitern stehen, auch wenn es mal nicht so rund läuft.“ Die Jury sei sich einig gewesen, dass dieses Engagement, das so viel Menschlichkeit ausstrahlt, gerade in diesem Jahr den ersten Preis mehr als verdient habe.

Wettbewerb: www.nwzonline.de/pia

Die PIA-Sieger des Jahres 2020 mit ihren Skulpturen (von links): Andreas Walter (DRV Oldenburg-Bremen, 2. Platz), Sarah Block (Arto Team, 1. Platz) sowie Florian Schomaker (Deutsches Milchkontor, 3. Platz).
© Torsten von Reeken

Mit Mut zum Azubi-Reporter

Khubaib Alhamad ist Auszubildender beim Fliesenfachbetrieb Bohlken in Oldenburg und erzählt auf den Social-Media-Kanälen der niedersächsischen Handwerkskammern über seinen Beruf.

Khubaib Alhamad ist Auszubildender beim Fliesenfachbetrieb Bohlken in Oldenburg und erzählt auf den Social-Media-Kanälen der niedersächsischen Handwerkskammern über seinen Beruf.

Für Khubaib Alhamad gab es immer nur einen Beruf: Er wollte Fliesenleger werden. Der gebürtige Syrer ist in Libyen aufgewachsen und schaute dort schon früh seinem Vater, seinen Onkeln und seinem Bruder beim Fliesenlegen über die Schulter. Später arbeitete er als selbstständiger Fliesenleger.  „Der Beruf liegt bei uns in der Familie. Ich bin ein geborener Fliesenleger“, lacht der 21-Jährige. Diese Begeisterung für seinen Ausbildungsberuf kann er jetzt ganz offiziell als „Azubi-Reporter“ über die Social-Media Kanäle von „Handwerk.Deine Chance“ teilen. Die Seiten auf Facebook und Instagram sind eine Initiative der niedersächsischen Handwerkskammern zur Nachwuchsgewinnung im Handwerk.

Langer Weg bis zum Ausbildungsplatz

Bis hierhin war es allerdings ein weiter Weg für Khubaib: „Als ich im Juni 2015 nach Deutschland gekommen bin, konnte ich die Sprache nicht, wollte aber trotzdem direkt als Fliesenleger arbeiten. Dann wurde mir von allen Seiten gesagt, dass es besser für mich sei, erst eine Ausbildung zu machen. Deshalb habe ich mich an Hussein Kerri, Integrationsberater des Projekts IHAFA, bei der Handwerkskammer gewandt.“ Gemeinsam wurden Bewerbungen geschrieben, es meldeten sich aber nur sehr wenige Betriebe zurück. Khubaib nahm also zunächst an einem Berufsvorbereitungsjahr in der Schule teil. Währenddessen versuchte er weiterhin, einen Ausbildungsplatz zu ergattern. Beim Fliesenlegerbetrieb von Stefan Bohlken hatte er schließlich Glück. Nach einem Praktikum übernahm er ihn als Auszubildenden. „Ich bin so dankbar, dass ich diese Chance bekommen habe und bin sehr stolz, dass ich jetzt schon meine Zwischenprüfung bestanden habe.“

Azubi-Reporter Khubaib Alhamad berichtet auf Facebook und Instagram über seine Ausbildung bei Fliesenlegermeister Stefan Bohlken.
Handwerkskammer Oldenburg

Jungen Leuten zeigen, wie toll das Handwerk ist

Stefan Bohlken ist überzeugt davon, dass sein Ehrgeiz und die Liebe zu seinem Beruf, Khubaib zum perfekten Botschafter für das Fliesenlegerhandwerk machen. „Die Nachwuchszahlen sind zwar etwas besser geworden, aber dennoch müssen wir um jeden Auszubildenden kämpfen. Dafür muss das Handwerk auch in den sozialen Medien sichtbar sein. Die jungen Leute sollen sehen, was für tolle Sachen auf den Baustellen erschaffen werden, wie viel Spaß der Beruf macht und wie stolz man nach einem erfüllten Arbeitstag sein kann“, erklärt Bohlken seine Teilnahme am Projekt „Azubi-Reporter“.

„Ich war schon immer sehr aktiv auf Snapchat und auf Instagram“, so Khubaib. Als er für das Projekt angefragt wurde, war er aber zunächst skeptisch: „Ich hatte Bedenken, Texte auf Deutsch zu verfassen, da ich Angst vor Fehlern hatte.“ Dann fasste er aber Mut und wurde von seinem Chef beim Schreiben der Beiträge unterstützt. 

Jeden Tag Gas geben!

Jetzt berichtet er erfolgreich über seinen Alltag auf den verschiedenen Baustellen. „Einmal haben wir XXL-Fliesen verlegt. Das war eine besonders spannende Arbeit, die nicht von vielen Fliesenlegern ausgeübt wird, da man beim Zuschneiden sehr vorsichtig sein muss. Mein Post darüber hat über 600 Likes und Kommentare bekommen“, berichtet Khubaib stolz.

Wenn er seinen Gesellenbrief in der Tasche hat, möchte er zunächst weiter Erfahrung sammeln und dann vielleicht seinen Meister machen. „Mein Ziel ist es auf jeden Fall, irgendwann meinen eigenen Betrieb zu führen. Dafür will ich weiterkämpfen und jeden Tag Gas geben!“ 

Über das Projekt „Azubi-Reporter“

Seit 2013 werben Auszubildende jeweils ein Jahr lang auf den Social-Media-Kanälen von „Handwerk. Deine Chance“ für das Handwerk und für ihren Ausbildungsberuf. Die Initiative ist ein Gemeinschaftsprojekt der niedersächsischen Handwerkskammern. „Wir möchten Jugendliche auf Augenhöhe ansprechen. Deshalb ist es ein großer Gewinn, wenn Auszubildende über ihren Arbeitsalltag berichten und zeigen, wie spannend Handwerk ist“, erklärt Heiko Henke, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Oldenburg die Teilnahme an dem Projekt.

Auf ihre Aufgabe werden die Auszubildenden in einem eintägigen Seminar professionell vorbereitet, so dass sie nicht nur für ihre Ausbildung, sondern für das Handwerk insgesamt begeistern. Am Ende des Jahres bekommen sie ein Zertifikat zur späteren Verwendung im Lebenslauf und es winken attraktive Preise für gute Beiträge.

Bei Interesse an Projekt-Teilnahme gerne melden!

Fenja Gralla
stv. Pressesprecherin

Telefon 0441 232-217
Telefax 0441 232-55217
gralla@hwk-oldenburg.de

Investition in Ausbildung lohnt sich

Mit personeller Verstärkung und dem gezielten Angehen der Gründe für Ausbildungsabbrüche investiert „Meyer Technik“ in Ausbildungsqualität.

„Vor ungefähr zwei Jahren hatten wir eine relativ hohe Fluktuation an Auszubildenden. Da kam dann der Punkt, an dem wir gesagt haben: Das geht so nicht weiter, da müssen wir etwas tun“, erzählt Lukas Bäcker, Geschäftsführer der Unternehmensgruppe „Meyer Technik“ und zuständig für Personal und Marketing. Zwei neue Stellen wurden bei dem Unternehmen aus Ganderkesee geschaffen: Carolin Wachtendorf als Ausbildungskoordinatorin sorgt für die Organisation der gesamten Ausbildung. Matthias Wilken ist Betrieblicher Ausbilder und fungiert als Schnittstelle zwischen Auszubildenden und ausbildender Fachkraft.

„Diese Art der Aufteilung ist optimal“, bewertet Kai Vensler, Ausbildungsberater der Handwerkskammer, die Entscheidung. „So hat jeder Auszubildende einen konkreten Ansprechpartner. Aufkommende Konflikte bekommt man schon von Anfang an in den Griff.“ Eine Ursache für Konflikte sieht Bäcker vor allem in der Kommunikation zwischen den ausbildenden Fachkräften und den Lehrlingen.

© Handwerkskammer

Übung an der Brettmontage: Erik Hejna und Nils Arkenau (vorne von links nach rechts), werden während ihrer Ausbildung bei Meyer Technik von Matthias Wilken (links), Lukas Bäcker und Carolin Wachtendorf betreut.

Große Sprünge mit "azubiJump"

Deshalb gibt es für Auszubildende das Programm „azubiJump“, in dem sie Soft-Skills für den Arbeitsalltag lernen. Die Gesellen haben unter anderem an dem HWK-Seminar „Qualifizierte Gesellinnen und Gesellen“ teilgenommen. Hier geht es um Konfliktbewältigung, Planung der Ausbildung oder Motivation. Die Maßnahmen haben gefruchtet: „Die Zahl der Ausbildungsabbrüche sind für die hohe Anzahl an Auszubildenden bei Meyer Technik sehr niedrig“, lobt Vensler die Anstrengung.

Generell wurden in den vergangen Jahren viele Veränderungen zur Verbesserung der Ausbildungsqualität vorgenommen. Es gibt Firmenfitness für alle Mitarbeiter, übertarifliche Bezahlung der Lehrlinge und betriebliche Altersvorsorge. „Sehr wichtig sind für uns auch die regelmäßigen Feedbackgespräche. Hier arbeiten wir mit Entwicklungsbögen, damit die Beurteilung für den Auszubildenden transparent ist“, so Bäcker.

Auszeichnung erhalten

Für Unternehmen, die ebenfalls in die Qualität ihrer Ausbildung investieren wollen, bietet die Handwerkskammer neben den genannten Seminaren einen Informationsordner zu dem Thema. Er enthält für jede Ausbildungsphase viele Tipps, Planungshinweise, Musterschreiben oder Bewertungsbögen. Auch die Firma Meyer Technik hat schon mit dem Ordner gearbeitet: „Wir haben ihn als große Checkliste gesehen: Was machen wir schon? Was können wir noch ergänzen? Außerdem waren vor allem die rechtlichen Hinweise für das Praktikum für uns interessant.“ Den Ordner kann man für 30 Euro bei der Handwerkskammer erwerben.

Für ihre Vielfalt bei der Herangehensweise an das Thema „Ausbildungsqualität“ wurde Meyer Technik im November mit dem zweiten Platz beim „Preis für innovative Ausbildung“(PIA) der Nordwest-Zeitung ausgezeichnet. 

Ihre Ansprechpartner zum Thema "Qualität in der Ausbildung":

Marco Janssen

Telefon 0441 232-283
Telefax 0441 232-55283
janssen@hwk-oldenburg.de