Projektleiterin Oliva Maitra (li.) freut sich über sehr gute Ergebnisse. Weiter von links: Markus Rosa, Emma Bott, Dozentin Anette Löhr, Kelly Andres und Jury-Mitglied Anke Haak.
© Torsten Heidemann

Zweites Leben für Jeans-Stoffe

Die Teilnehmer des Meisterkurses der Raumausstatter haben in einem Designprojekt viel Kreativität bewiesen. Die Ergebnisse können ab sofort in der Freizeit zum Einsatz kommen.

In ihrem ersten Leben waren die meisten eine Hose. Die Rede ist von Jeans-Stoffen, die über Spenden und sehr unterschiedliche Wege in die Hände der zehn Raumausstatter gelangt sind, die zurzeit ihren Meisterkurs bei der Handwerkskammer Oldenburg absolvieren. Konkreter Hintergrund war das Designprojekt „Upcycling Jeans/T-Shirt“ von Oliva Maitra in Zusammenarbeit mit Dozentin Anette Löhr und Jury-Mitglied Anke Haak. „Das Projekt schult unter anderem die Anwendung verschiedener Kreativitätstechniken sowie das Zeit- und Projektmanagement“, erklärte die Diplom-Ingenieurin Oliva Maitra zum Abschluss.

Die Freude am eigenen Entwurf war allen Stücken bei der Präsentation anzusehen. Die Jury zeigte sich beeindruckt, welche Entwicklungsprozesse von der Ideensammlung bis zur Abgabe zu beobachten waren. „Die Wege von der jeweiligen Idee zum Ziel hatten so manche Schlenker. An jeder Kurve haben die Teilnehmerinnen etwas für sich und ihre spätere Arbeit mitgenommen“, fasste Anette Löhr ihre Eindrücke zusammen. „Es war sehr spannend.“ Die Jury entschied sich dazu, drei erste Plätze zu vergeben.

Rucksack, Golftasche, Liegestuhl

Unter den Siegerstücken war der Rucksack von Kelly Andres. „Meinen Wanderrucksack hat es auf meiner letzten Reise zerlegt“, sagte sie zum Ausgangspunkt ihrer Projektidee. Nach dem Zerschneiden des alten Stücks kamen Jeans-Elemente aus verschiedenen Farben zum Einsatz. Andres achtete bei der Umsetzung sehr auf Funktionalität. „Es war mein Wunsch, dass die Taschen und Fächer für Flexibilität sorgen.“ Ein Fach ist für Regenschutz reserviert und mit einer wasserabweisenden Schicht versehen. Der Reiserucksack soll sie zunächst nach Dänemark und später in die USA begleiten.

Markus Rosa ist unterdessen gerne auf Golfplätzen unterwegs. „Ich bin ein leidenschaftlicher Golfspieler und so kam die Idee zustande, eine Tasche für Schläger zu entwerfen.“ Die Röhre, die während der fünf Unterrichtseinheiten in der Dekowerkstatt und darüber hinaus in Eigeninitiative entstanden ist, bietet Platz für vier Schläger. Solch ein schmales Modell wird in Golfkreisen als „Pencil Bag“ bezeichnet. Die Gurtlänge kann verstellt werden. Für das „Inlay“ hat Markus Rosa ein T-Shirt recycelt. Er sieht sich mit der Tasche „auf kleinen Winterrunden“ und kann dabei sein Spiel weiter verbessern.

Auch die dritte Erstplatzierte hat an ihre Freizeit gedacht. Emma Bott hat sich einen Liegestuhl vorgenommen und dafür ein Gestell in den Kleinanzeigen recherchiert. „Genau wie die Jeans-Stoffe war auch schon das Gestell fast für die Entsorgung vorgesehen.“ Das doppelte Upcycling kommt betont in einem „Used Look“ daher. „Die Jeans haben Macken und ich habe mit Absicht die Kanten offengelassen“, erklärt sie die Sitzfläche ihres Liegestuhls. Als Kopfstütze ist ein Kissen mit Jeans-Stoff angenäht. Damit sie bei einem Tagesausflug an die Nordsee und auch bei allen anderen Nutzungsanlässen zum Smartphone greifen kann, ist an der rechten Seite eine Handytasche eingenäht.

Die zehn Teilnehmer des Meisterkurses haben den Jeans-Stoffen ein zweites Leben gegeben. Sie steuern nun weiter auf die Prüfung zu, die im Juni abgenommen wird. Die Raumausstatter nehmen wertvolle und nachhaltige Erkenntnisse aus dem Designprojekt mit.

Alle Teilnehmer und Projektergebnisse auf einen Blick.
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