Sören Quandt (links) hat als Metallbauer in der Fachrichtung Nutzfahrzeugbau mit Lkw-Aufbauten, Containern, Anhängern und Sattelaufliegern zu tun. Induktive Wärme für das Popcorn: Systemelektroniker Kevin Tönjes (rechts) hat im Laufe des Wettbewerbs ein Produkt entwickelt.
© Schütte / Privat

Kevin Tönjes und Sören Quandt sind die Top-Azubis 2020

Erfolge beim Praktischen Leistungswettbewerb des Handwerks

erstellt am 8. Dezember 2020

Oldenburg/Berlin. Der Systemelektroniker Kevin Tönjes und der Metallbauer in der Fachrichtung Nutzfahrzeugbau Sören Quandt haben beim Praktischen Leistungswettbewerb des Handwerks die besten Ergebnisse aller regionalen Teilnehmer erzielt. Von der Handwerkskammer Oldenburg gratuliert Präsident Eckhard Stein: „Mit großem technischen Verständnis und Einfallsreichtum haben sich die beiden jeweils den dritten Platz auf Bundesebene verdient. Auch die Betriebe leisten hervorragende Arbeit bei der Ausbildung. Das sehen wir sowohl bei den Kammer- und Landessiegern als auch in der Breite von über 2000 Abschluss- Gesellenprüfungen pro Jahr.“

Europas größter Berufswettbewerb hat am Sonnabend seinen diesjährigen Abschluss erlebt. In einer per Livestream aus Berlin übertragenen Feierstunde gratulierte Bundespräsident Frank Walter Steinmeier in seiner Grußbotschaft den Preisträgerinnen und Preisträgern: „Sie können stolz auf sich sein. Was Sie mit der Kraft Ihrer Hände, mit Ihrer Kreativität geschaffen haben, das ist außergewöhnlich, das ist herausragend, das ist spitze. Auch in diesen ungewöhnlichen Zeiten werden Ihr Wissen und Ihr Können gebraucht. Was Sie dieses Jahr unter schwierigsten Bedingungen geschafft haben war nicht umsonst, es ist besonders wertvoll und vor allen Dingen ist es Anlass für Zuversicht.“

Der 69. Leistungswettbewerb des Deutschen Handwerks fand in diesem Jahr pandemiebedingt unter besonderen Bedingungen und mit großen Herausforderungen statt. Umso mehr freut sich das gesamte Handwerk über die anhaltend hohen Teilnehmerzahlen. „Alle haben in einer von der Pandemie geprägten Zeit ihre berufliche Exzellenz und ihre Leidenschaft für ihr Handwerk unter Beweis gestellt“, so Kammerpräsident Eckhard Stein.

Kurzporträts der III. Bundessieger (beide leben in Oldenburg):

Kevin Tönjes (Ausbildungsbetrieb Leifert Induction GmbH, Oldenburg):
Im Ausbildungsbetrieb von Kevin Tönjes dreht sich alles um Induktion. Die Leifert Induction GmbH entwickelt und produziert innovative Systeme für induktives Erwärmen zum Fügen und Lösen von Schrumpfverbindungen sowie zum Vorwärmen von Werkstücken.  „Ich war auf der Suche nach etwas, was noch nicht induktiv betrieben wird“, blickt Kevin Tönjes auf die Zeit vor seiner Gesellenprüfung zurück. Der 21-Jährige entschied sich für die Erstellung einer induktiven Popcorn-Maschine.

Mit seiner Produktentwicklung wurde der Systemelektroniker drittbester Geselle bei den Deutschen Meisterschaften im E-Handwerk. Systemelektroniker sind Spezialisten, die Aufgaben der Elektronik und Elektromechanik einschließlich der Software lösen. In der Theorie braucht man Kenntnisse in Physik, Elektrotechnik und Mikroelektrotechnik. In der Praxis sind zum Beispiel das Layouten von Platinen, das Konstruieren von Gehäusen, das Verdrahten und das Erstellen von Schaltplänen gefragt. Die Ausbildung dauert 3,5 Jahre.

Kevin Tönjes hatte während seiner Schulzeit im Rahmen von „Lernorte-Tagen“ in die Bereiche Tischler, Gartenbau und Elektrotechnik hineingeschnuppert. „Das meiste Interesse hatte ich an der Elektronik und darüber bin ich auch auf meinen Ausbildungsbetrieb aufmerksam geworden“, erzählt Tönjes. Als nächsten beruflichen Entwicklungsschritt plant der Oldenburger die Weiterbildung zum Techniker. Und was passiert mit der Popcorn-Maschine? „Vielleicht verschenke ich sie irgendwann“, lacht der Systemelektroniker.

Sören Quandt (Ausbildungsbetrieb Schütte Fahrzeugbau GmbH, Wardenburg):
Die Firma, in der Sören Quandt ausgebildet wurde, baut neben dem Reparaturbetrieb hauptsächlich Lkw-Aufbauten, Container, Anhänger und Sattelauflieger. Peter Schütte, der Chef, ist stolz, schon den achten Landessieger aus seinen Reihen erleben zu dürfen. Sören Quandt, 21-jähriger Oldenburger, liebt besonders die Schweißarbeiten. Für seine Gesellenprüfung musste er im Januar, also noch vor den Corona-Einschränkungen, innerhalb von zwei Tagen eine verstellbare Halterung für einen Schraubstock anfertigen.

Nach den besten Noten (Kammersieg) und dem besten Gesellenstück (Landessieg) war der Bundesentscheid für seinen Ausbildungsberuf im November in Northeim geplant. Aufgrund der Corona-Situation bekamen alle Teilnehmer eine Zeichnung von einem Werkstück zugeschickt. Sie war die Grundlage für ein Fachgespräch, das online von zwei Prüfern durchgeführt wurde. Das Ergebnis freute Sören Quandt: Dritter Platz auf Bundesebene.                                                                                     

Metallbauer in der Fachrichtung Nutzfahrzeugbau stellen besondere Anhänger oder Transportfahrzeuge her. Müll- oder Kranwagen sind echte Herausforderungen. Es werden Metalle und Kunststoffe vermessen, geschnitten und geschweißt. Die Ausbildung dauert 3,5 Jahre – und könnte Sören Quandt noch auf eine ganz andere Fährte führen: Er liebt Pferde und es ist nicht ausgeschlossen, dass er noch Hufschmied wird.