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Kämpfen für mehr politische Unterstützung in Sachen „Duale Ausbildung“ (v. l.): Heiko Henke (HWK-Hauptgeschäftsführer), Michael Koch (LHN-Hauptgeschäftsführer) und Manfred Kurmann (HWK-Präsident)

Handwerk fordert Kehrtwende in der Bildungspolitik

Berufliche Bildung und Meistertitel müssen gestärkt werden

Oldenburg. Mit einem Beschluss zum Papier „Wünsche und Forderungen zur Landtagswahl in Niedersachsen 2018“ hat sich die Vollversammlung der Handwerkskammer Oldenburg positioniert. „Gerade in wirtschaftlich guten Zeiten ist die Landespolitik gefordert, mit Weitsicht zentrale Weichenstellungen für die Zukunft vorzunehmen“, begrüßte Michael Koch das Votum. Der Hauptgeschäftsführer der Landesvertretung der Handwerkskammern Niedersachen (LHN) war am Montag in Oldenburg Gastredner der Veranstaltung. 

Für die kommende Legislaturperiode soll das Papier als Grundlage für die handwerkspolitische Arbeit auf Landesebene dienen. Das Handwerk wird auf einen Paradigmenwechsel in der Bildungspolitik pochen. „Es muss Schluss sein mit der schlechten Unterrichtsversorgung der berufsbildenden Schulen. Wir erwarten mindestens die gleiche Lehrerversorgung wie an den Gymnasien“, stellte Michael Koch klar. Ein weiterer Schwerpunkt müsse bei einer ernsthaften Entlastung von Bürokratie für die Betriebe liegen. 

Zuvor hatte Kammerpräsident Manfred Kurmann ausführlich zur guten konjunkturellen Lage berichtet. Angetrieben vom Bau- und Ausbauhandwerk und durch eine deutliche Verbesserung bei den gewerblichen Zulieferern sei ein sehr gutes Ergebnis bei der Frühjahrsumfrage der Kammer zustande gekommen. Den strahlenden Höchstwert liefert das Bauhandwerk mit 128 Punkten. Der Gesamtindex steigerte sich im Vorjahresvergleich um drei Zähler auf 120 Punkte. 

Um den Erfolg „wetterfest“ zu machen, müssten Rahmenbedingungen stimmen, betonte der Präsident. Die Handwerkskammer trage ihren Teil unter anderem mit Informationen und Veranstaltungen zu aktuellen Themenbereichen wie E-Mobilität und Digitalisierung bei. Außerdem, das machten Kurmanns Ausführungen deutlich, ist die Handwerkskammer in Initiativen zur Fachkräftesicherung aktiv. Die Projekte „Aufstieg durch Umstieg“ für Studienaussteiger und „IHAFA“ zur beruflichen Integration von Flüchtlingen gehören beispielsweise dazu.

„Auf dem Ausbildungsmarkt zeigen unsere Maßnahmen Wirkung“, freute sich Präsident Kurmann. Zum Stichtag 31. Mai waren bereits 1194 neue Lehrverträge für dieses Jahr eingetragen. Das sind 38 mehr Auszubildende als im Vorjahresvergleich oder anders ausgedrückt: ein Plus von 3,3 Prozent. Der größte Bereich, das Elektro- und Metallgewerbe inklusive Kfz-Handwerk, verzeichnet ein Plus von 1,6 Prozent. Der zweitgrößte Sektor, das Bau- und Ausbaugewerbe, hat schon 168 neue Auszubildende gewonnen – ein sattes Plus von 14,3 Prozent“, berichtete Manfred Kurmann. 

Das regionale Handwerk werde weiterhin die europäische Politik genau verfolgen, meinte der Kammerpräsident mit Blick auf den Meistertitel. Vor zwei Wochen gab es einen Etappensieg: Der Rat der Europäischen Union stärkte die Mitgliedsstaaten bezüglich der Berufsreglementierungen. „Das bedeutet: Deutschland kann in Sachen Meisterpflicht weiter so verfahren wie bisher“, sagte Kurmann. 

Heiko Henke, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Oldenburg, bezifferte in seinem Bericht die eingetragenen Handwerksbetriebe auf 12.481 – ein leicht überdurchschnittlicher Wert der letzten fünf Jahre. „Im Berufsbildungszentrum in Tweelbäke hat ein von mehreren Partnern betriebenes Migrationscenter seinen Betrieb aufgenommen. Insbesondere Migranten, die über 25 Jahre alt sind, soll der Weg in Arbeit oder Ausbildung geebnet werden“, sagte der Hauptgeschäftsführer.