Gartenhaus 4.0

Die Tischlerei Ahlers hat eine Manufaktur für Gartenhäuser etabliert. Jetzt steigt die Auftragsmenge. In diesem Zuge hilft die Innovationsförderung Niedersachsen, eine für das Handwerk neuartige Prozessorganisation zu entwickeln.

Am Anfang stand ein Gartenhaus. Gebaut von Friedrich Ahlers. Fotografiert und auf der Firmenhomepage der Oldenburger Zimmerei und Tischlerei veröffentlicht. Das sich über erste Interessenten bis heute entwickelt hat, ist erstaunlich: Sein Sohn Oliver Ahlers, 36 Jahre alt und vor zweieinhalb Jahren als Prokurist in das Familienunternehmen eingestiegen, hat den Bereich „Gartenhaus“ vom Kerngeschäft mit Fenstern, Türen und Wintergärten gelöst. Für die Gartenhaus-Manufaktur gibt es eine eigene Internetseite.
„Die Kunden haben die Möglichkeit, sich anhand diverser Grundmodule per Mausklick ihr eigenes Gartenhaus zusammenzustellen“, erklärt der promovierte Betriebswirt.

Der Konfigurator ist ein zentrales Element, aber irgendwie auch nur ein Zwischenschritt beim fortlaufenden Prozess, das Unternehmen zu digitalisieren. "Im Handwerk wird ja gerade sehr viel von Digitalisierung gesprochen. Für mich bedeutet es zum einen, dem Kunden einen Mehrwert zu verschaffen. Zum anderen denke ich nach innen, an die Wertschöpfung im Unternehmen. Wenn ich Prozesse habe, die offline funktionieren, dann kann ich sie online strukturieren.“

Konfiguriert und gebaut: Vor dem Gartenhaus „Naturfreund“ stehen Kay Lutz Pakula (HWK-Innovationsberater), Geschäftsführer Oliver Ahlers und die Mitarbeiter Heinz Hansen und Jan Pankratov (v.l.)
Handwerkskammer Oldenburg

Oliver Ahlers denkt dabei häufig an das Bestellwesen. Der Grund ist einleuchtend: Die Nachfrage für die qualitativ hochwertigen Fertighäuser steigt. In diesem Zuge hat ein Teil der 35 Mitarbeiter vor allem im Frühjahr alle Hände voll zu tun. Anfragen kommen aus ganz Deutschland, sowohl von privat als auch aus dem öffentlichen Sektor und von Bauträgern. Da würde vieles einfacher gehen, wenn Zeit beim Materialeinkauf eingespart wird. „Die Aufträge sind organisatorisch eine große Herausforderung, weil wir viele verschiedene Materialien beschaffen müssen“, sagt Ahlers. Nur die Unterkonstruktion ist immer gleich strukturiert. Ansonsten gibt es viele Unterschiede. Die augenfälligsten: Holzarten und HPL-Fassadenplatten. Aber auch für die Dächer oder selbst
bei den später nicht sichtbaren Schrauben gilt: Die Beschaffung stellt einen hohen Aufwand dar.

An diesem Punkt hat Oliver Ahlers den Beauftragten für Innovation und Technologie bei der Handwerkskammer, Kay Lutz Pakula, eingeschaltet. Das Ergebnis der Beratungen: Ahlers stellte einen Antrag auf Innovationsförderung und bekam die Bewilligung. "Oliver Ahlers macht es richtig“, sagt Pakula. „Er hat eine Vision, spiegelt diese in Beratungen, analysiert die Prozesse, glättete diese und digitalisiert.“ Klingt einfach, ist es aber nicht. Denn schließlich stemmt die Mannschaft dieses Projekt im laufenden Betrieb. „Darum nutzt Ahlers die Förderung. So ist das Projekt trotz der Personalkosten zu finanzieren“,
erklärt Innovationsberater Pakula.

Ziel ist, dass eine Bestellung des Kunden automatisch die komplette Reihe an Bestellungen bei den Lieferanten auslöst und Lagermaterial abruft. Dazu müssen alle technischen Zeichnungen, alle Maße und alle Stückzahlen im Konfigurator hinterlegt sein. Ein Projekt, für das Tischlermeister Denis Engelmann im Unternehmen verantwortlich ist.

Parallel zur laufenden Innovationsförderung treibt Ahlers das Marketing voran: Relaunch der Website und Auftritt bei der Internationalen Handwerksmesse in München (7. bis 13. März) heißen die aktuellen Maßnahmen. „Wir werden unser Haus „Drei-D“ einem breiten Publikum präsentieren. In München haben wir bereits jetzt schon einige Kunden. Außerdem versuche ich dort, Partnerfirmen für den Aufbau beim Kunden in Süddeutschland zu gewinnen.“ Das Standbein „Gartenhäuser“ hat innerbetrieblich an Gewicht gewonnen. Die Modelle werden laufend weiterentwickelt. „Zum Beispiel sind in Zukunft noch mehr Lifestyle-Elemente geplant“, gibt Oliver Ahlers einen Ausblick. Vorboten gibt es bereits: Im „Park der Gärten“ in Bad Zwischenahn – mit Außenküche und abgetrenntem Bürobereich - steht beispielsweise ein sehr edles Exemplar. 

Dipl. Wirtsch.-Ing. Kay Lutz Pakula
Beauftragter für Innovation und Technologie

Telefon 0441 232-214
pakula@hwk-oldenburg.de

Roboter übernimmt Eiersuche

Die Belegschaft der HoBohTec GmbH aus Garrel hat in einem geförderten Projekt getüftelt und optimiert. Bald geht „EiSam“ in den Dauerbetrieb beim Kunden.

Bloß nicht lange herumeiern: Mit diesem „Auftrag“ hat die Firma Hobohtec Energietechnik GmbH aus Garrel einen Roboter entwickelt, der in großen Ställen die Nester der Putenelterntiere nach Eiern absuchen kann. Profitiert hat das Unternehmen dabei von der Innovationsförderung des Landes und der Beratung durch die Handwerkskammer.
Das Ergebnis: Ein Eiersuchroboter namens „EiSam“, wobei der zweite Wortteil für „sammeln“ steht. Das System besteht unter anderem aus Schienentechnik mit berührungsloser Energieübertragungübertragung, einer Transporteinheit, einer Kamera und einem Greifer. „Wir sind soweit, dass der Prototyp verlässlich arbeitet. Nach ersten erfolgreichen Praxistests nehmen wir nun noch einige technische Änderungen vor“, sagt Geschäftsführer Hans-Jürgen Böhmann.
Der 32-jährige Elektrotechnikmeister hat im Februar 2010 die Hobohtec GmbH gegründet. Zu Beginn galt das Hauptaugenmerk den Photovoltaikanlagen. Relativ schnell entwickelte sich der Zweig „Roboter- und Automatisierungstechnik“, der mittlerweile rund ein Drittel des Umsatzes ausmacht. Im Jahr 2013 kam der Kundenwunsch „Eier automatisiert holen“ auf den Plan – und somit die Idee, daraus ein Innovationsvorhaben zu projektieren.  

© HoBohTec

Zeigt seine Entwicklung: Hans-Jürgen Böhmann, Geschäftsführer der Firma HoBohTec.

  „Die Entwicklung des Eiersuchroboters ist ein sehr gutes Beispiel, dass es auch Betrieben mit einer Größe von zwölf Mitarbeitern und drei Auszubildenden gelingen kann, Innovationsvorhaben umzusetzen“, sagt Dr. Henning Müller. Er hat das Projekt als Beauftragter für Technologie und Innovation für die Handwerkskammer begleitet. Spannende Schritte waren dabei die Energiezuführung, das Herausschieben der Pute aus dem Nest, die Lokalisierung des Eis, die Ausrichtung des Eis auf den Brutmagazinen und die Verzahnung aller Prozesse, um einen zügigen Ablauf zu gewährleisten. Besondere Berücksichtigung haben bei der Entwicklung Tierwohlaspekte gefunden. Unter Einbeziehung von Fachleuten wurden alle Abläufe überprüft und optimiert.
Hans-Jürgen Böhmann hat im Zuge der Innovationsförderung einen Entwicklungskonstrukteur eingestellt. Die erste verkaufte Einheit wird im Juni beim Kunden in Dauerbetrieb gehen. Für seine Firma sieht er bei dem sehr speziellen Projekt dennoch einen generellen Mehrwert. „Der Erkenntnisgewinn kommt uns bei anderen Kundenwünschen zu Gute“, ist sich Böhmann sicher.    

Dipl. Wirtsch.-Ing. Kay Lutz Pakula
Beauftragter für Innovation und Technologie

Telefon 0441 232-214
pakula@hwk-oldenburg.de

Innovationen öffnen Türen

Über ein kleines Innovationsvorhaben ist Andre Kessen Partner in einem vom Bund geförderten Projekt geworden.  

Wie kommt ein Maschinenbauer auf die Idee, sich mit einer Redox-Flow-Batterie zu beschäftigen? Andre Kessen, Geschäftsführer von Kessen Maschinenbau aus Essen (Oldb.), schmunzelt bei dieser Frage. „Ich war 2010 mit einem Bekannten zusammen auf der Hannover Messe. Da ich mich gerade mit dem Thema Energiespeichertechnologie beschäftigte, interessierte ich mich für die Redox-Flow-Batterie auf dem Stand des Fraunhofer Instituts“, erinnert sich Kessen. Dort wurde ihm geschildert, dass die Flüssigkeit in der Batterie, die die Energie speichern und abgeben soll, aus der Ummantelung austrete und sie bisher noch keine Lösung für das Problem gefunden hätten. „Da dachte ich mir: Von der chemischen Seite habe ich keine Ahnung, aber mit Dichtigkeit kenne ich mich als Maschinenbauer aus“, lacht Kessen. Dank der Unterstützung von Fördermitteln aus dem Innovationsförderprogramm Handwerk konnte er das Projekt in Angriff nehmen.

Auch kleine Unternehmen können innovativ sein

Dr. Henning Müller, Beauftragter für Innovation und Technologie der Handwerkskammer, betreut das Projekt seit Anfang 2013. „Es ist erstaunlich, welche Entwicklung das Unternehmen in dieser kurzen Zeit durchgemacht hat“, berichtet Müller. Durch das Innovationsprojekt habe Kessen viel über Projektmanagement gelernt und konnte so sein eigentliches Standbein – die Agrar- und Lebensmitteltechnik - weiter ausbauen. Auch die Teamstärke ist von drei auf fünf Mitarbeiter angestiegen.

© Handwerkskammer Oldenburg

Neue Wege gehen: Andre Kessen (r.) stellt (v. l.) Michael Koch, Manfred Kurmann, Heiko Henke und Henning Müller seine Entwicklung an der Redox-Flow Batterie vor.

Durch das Wissen, das sich Kessen in der Batterietechnik angeeignet hat, ist er jetzt Partner in einem Forschungs- und Entwicklungsprojekt, das vom Bund gefördert wird. Weitere Partner sind hier u.a. Firma Eisenhuth GmbH & Co. KG aus Osterode, die RWTH Aachen und das Leibniz-Institut für Polymerforschung in Dresden. „Das ist sehr spannend für uns“, sagt Kessen. „Wir sind natürlich stolz, dass wir mit so renommierten Partnern zusammenarbeiten dürfen.“
Müller sieht dies als gutes Beispiel dafür, dass auch kleine Unternehmen innovativ sein können und sich nicht davor scheuen sollten, ihre Ideen umzusetzen. „Die Handwerker sollten die Hightech-Branche nicht den Großunternehmen überlassen. Gute Ideen können die Türen zu angesehenen Forschungsinstituten öffnen“, ermutigt Müller.

Den 3D-Drucker für sich entdeckt. 

Bei einem Besuch im Unternehmen machten sich HWK-Präsident Manfred Kurmann, Hauptgeschäftsführer Heiko Henke und Michael Koch, Hauptgeschäftsführer der Landesvertretung der Handwerkskammern Niedersachsen und Vorsitzender des Innovationsnetzwerkes Niedersachsen, ein Bild vom Unternehmen Kessen Maschinenbau und der Innovation. Sie zeigten sich sehr beeindruckt von dem Projekt und wünschten ihm für seine weiteren Vorhaben viel Erfolg. Kessen, der an dem „Batterie-Problem“ weiterarbeitet und inzwischen die Technik des 3D-Drucks für Versuchszwecke verwendet, ist zuversichtlich, dass er mit seiner Idee auf dem richtigen Weg ist.